„Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ (Victor Klemperer)

Demnächst habe ich „Geburtstag“, es wird sich also der Tag, an dem mich meine Erzeugerin in die Welt würgte (und mit Verlaub, aber eine „Geburt“ ist fast immer ein In-die-Welt-Gewürgt-Werden, wenn’s nicht gerade eine Sturzgeburt ist), wiederholen.
Schon immer war ich dafür, an diesem Tage die Erzeugerinnen – hierzulande „Mütter“ genannt – zu feiern, denn die von ihnen in die Welt gewürgten Kinder können ja nun wirklich nichts dafür!
In diesem Jahr wird es der 16. In-die-Welt-Gewürgtsein-Tag nach dem Tod meines „amîs unde man“ (Hartmann von Aue: Erec, etwa 1180/90), meines Lebensmenschen sein (den meine Erzeugerin übrigens zutiefst hasste).
Nicht erst seit 16 Jahren weiß ich, dass ich nie in diese Welt hätte gewürgt werden dürfen durch diesen Menschen, der während seines Lebens Wert darauf legte, dass ich ihn „Mutter“, besser noch „Mama“ nannte. (Das habe ich diesem mich zuvor nur noch verunglimpfenden Menschen in den letzten 15 Jahren verweigert, wie jedes andere Wort, wissend, dass dieser Mensch zutiefst beschädigt war, und voller Mitleid mit ihm, aber um mein Überleben kämpfend. Und nun ist schon seit längerem eine entspannte Stille, denn auch hier wirkte wieder der Tod sein Werk.)
Seit dem Tod meines Lebensmenschens weiß ich, dass es keine Gnade gibt.
Außer der, die ich – allem zum Trotz und vermutlich durch die Liebe meines Lebensmenschen wachgeküsst – in mir trage und zu verteilen versuche, immer noch manchmal stolpernd über den tief und schon vorgeburtlich in mich versenkten Hass meiner Erzeugerin auf alle Menschen.
Und außer aller Vernunft und allem Verstand, die ich schon immer in mir tragen durfte und deren Herkunft mir unbekannt sind.
Löwe mit Aszendent Zwilling – hm, und nö: Ich glaub’ auch da nicht dran!
