Schutzraum

Werden mich unsere Enkel- und Urenkelkinder fragen: „Du hast doch alles gewusst, warum hast Du nichts getan?“

Einst, um nicht mitzuverzweifeln (sondern um mir meine Art des Zweifelns freizukämpfen), ging ich manchmal rennen oder lief ziellos auf Straßen, Wegen umher, tags wie nachts.
Einst, um nicht mitverrückt zu werden, beendete ich Blutsbande.
Einst, um nicht mitzuverleugnen, forderte ich jede Freundschaft heraus bis zum Äußersten.

Jetzt, da es für mich nicht mehr um Verzweiflung, Blutsbande und Freundschaft geht, jetzt, um nicht erneut mitzuverzweifeln, mitverrückt zu werden und mitzuverleugnen, jetzt halte ich einen Schild über mich.
Auf dessen Innenseite steht die Frage an mich, die von nun an jede Nachricht hier einleiten wird: Werden mich unsere Enkel- und Urenkelkinder fragen: „Du hast alles gewusst, warum hast Du nichts getan?“

Unter ihm
bin ich.

Neben allen Bruchstücken über die „Corona-Maßnahmen“-Wahrheiten (vollkommene Schwachsinnigkeit der RKI-„Pandemie-Zahlen“; von der WHO nun selbst bestätigte Unverlässlichkeit der PCR-Tests; invasive Beatmung der ‚schweren Verläufe‘ mit +50%iger Sterbensquote aufgrund der Therapie zwecks Schutz des medizinischen Personals statt besserer Patientenbehandlung; Verdummung der Bevölkerung via Dauer-Panik-Modus; allmähliche Zersetzung der Erinnerung an die im GG verankerten Grundrechte u.s.w.) –

neben all diesen Bruchstücken der Wahrheit über den Zustand dieser Menschenwelt, die aus lauter Angst vorm Tod nunmehr alles Leben verbietet (und alles Sterben endgültig dem Menschen – als Beteiligter und als Zeuge – entzogen und zu einer Angelegenheit in Maschinenkreisläufen gemacht hat),
daneben

lese ich (nach dem „Landgericht“ endlich) Ursula Krechels „Shanghai fern von wo“ (langsam, langsam, weil die Leben dort so -, weil die Atemzüge derer, die diese Leben gelebt haben, meine stocken lassen) und Olga Martynovas „Engelherd“.

„Der Engelherd“ ist der erste – das erste Ding so als Buch; Menschen gab es da bislang nicht –, der den Schellenengel kennt. Den von Klee, den natürlich abermillionen Menschen kennen. Nur, dass er tatsächlich da ist
– das, so dachte ich bislang immer, sei des Lebensmenschen und mein Geheimnis.
Aber das kennt auch dieser Roman.

Is schon seltsam.

Dass er mir nun wiederbegegnet.
Und klimpert. Grinst. Frech. zärtlich. Und wieder wech. Bei Dir. Womöglich.
Oder halt, wie ich nun lernen musste, bei jemand anderem, in einem Buch.

Wie ich nun lernen musste. : Bücher können das.
Autorinnen können das. Künstler können das. Autoren und Künstlerinnen können das. Bild und Text können das. Linie, Farbe, Buchstaben, Satzzeichen. Und die Leere dazwischen.

In der ist der Schellenengel – wenn er sich zeigt.
Manchmal hüpft er auf meinem Schild herum. Manchmal hüpft er in diesem Buch herum. Dann klimpert’s. Und ich krieg Gänsehaut, weil ich das seit – keine Ahnung – über zehn Jahren nicht mehr gehört hab.

Pandemie-Planspiele (2)

Eine Ergänzung zu meinem gestrigen Eintrag hier über die jahrzehntelange Durchführung von Pandemie-Planspielen zur ‚Schulung‘ der höchsten politischen, administrativen und ökonomischen (v.a. Pharmaindustrie) Vertreter der Industrienationen:

Das ‚Ergebnis‘ des Planspiels über den Ausbruch einer Corona-Virus-Pandemie [wie schon gestern: sic!] vom Oktober 2019 ist erst am 17. Januar 2020 in einer gemeinsamen Pressemitteilung des langjährigen Organisators dieser Planspiele, der auch dieses organisiert hat, dem Center for Health Security der Johns Hopkins University, und der beiden Finanziers dieses Planspiels, dem Weltwirtschaftsforum und der Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung, veröffentlich worden – also drei Tage, bevor der internationale Medienrummel rund um „Corona“ begann (u.a. in New York Times, FAZ und Tagesschau) und vier Tage vor dem alljährlichen Gipfel des Weltwirtschaftsforums in Davos.
Hier der link zur genannten Pressemitteilung:
https://www.centerforhealthsecurity.org/news/center-news/2020/2020-01-17-Event201-recommendations.html
Die Pressemitteilung besteht im wesentlichen aus einem „Call to Action“, einem Weckruf oder Handlungsaufruf auf der Basis der ‚Ergebnisse‘ des Planspieles.
Die erste Forderung lautet:
„Regierungen, internationale Organisationen und die Wirtschaft sollten jetzt planen, wie wesentliche gemeinsame Möglichkeiten während einer umfassenden Pandemie umgesetzt werden.“
Und das siebente und letzte ‚Ergebnis‘ lautet:
„Regierungen und der privatwirtschaftliche Sektor sollten der Entwicklung von Methoden größere Priorität zukommen lassen, mit deren Hilfe man bereits vor dem nächsten pandemischen Geschehen mangelhafte Informationen und Falschinformationen bekämpfen kann.“
(Ich erinnere noch einmal an den 2. Screenshot meines gestrigens Blog-Eintrags: Dort war zu lesen, dass das Planspiel vom Oktober 2019 als Resultat erbracht habe, dass die Medien mit Informationen „überflutet“ werden müssen und dass „falsche Botschaften“ u.a. mit Hilfe von Technik „unterdrückt“ werden müssen.)

Pandemie-Planspiele (1)


Sie sehen hier einen Screenshot aus einem Vortrag des freien Journalisten Paul Schreyer über Pandemie-Planspiele, wie sie seit dem Ende des Kalten Krieges 1990 unter Beteiligung aller Industrienationen und organisiert vom „Center for Health Security“ der Johns Hopkins Universität vielfach durchgeführt worden sind.
Auf dem Screenshot ist die Zusammenfassung der Ergebnisse der Planspiel-Studie „Lock Step“ (dt. „Gleichschritt“) von 2010 zu sehen.

Falls Sie nun an unsere Corona-Zeit (zehn Jahre nach diesem Planspiel und der daraus hervorgegangenen Studie) denken müssen, denken Sie richtig!

 


Hier sehen Sie aus dem gleichen Vortrag einen Screenshot, auf dem aus einem im Oktober 2019 durchgeführten Planspiel zu einer Corona-Virus-Pandemie [sic!] zitiert wird.

Teilnehmer damals waren u.a. die Chefs der US-amerikanischen und der chinesischen Seuchenschutz-Behörde, ein höchstrangiger Vertreter der Bill Gates-Stiftung, der Vize-Chef des (hinsichtlich der Börsennotierung) weltgrößten Pharma-Konzerns, die ehemalige Vize-Präsidentin der CIA und der Präsident der weltgrößten PR-Agentur.

Falls Sie nun an unsere Corona-Zeit (Beginn zwei-vier Monate nach diesem Planspiel) denken müssen, denken Sie richtig!

 

Noch kurz ein Wort (ebenfalls aus dem Vortrag von Paul Schreyer) zum Organisator dieser Planspiele, dem „Center for Health Security“ von der Johns Hopkins Universität:
Es bereitet heute für alle Medien weltweit die Corona-Daten auf (und zwar graphisch und inhaltlich genauso wie bereits in diesem Planspiel im Okt. 2019: Fallzahlen, Todeszahlen, Ländervergleiche etc.).
Im Oktober 2019 war seine Vize-Direktorin, die auch das Planspiel moderierte, eine Juristin, die zuvor als Pharma-Lobbyistin in einer einflussreichen Anwaltskanzlei 300 Juristen unter sich hatte.

Bitte machen Sie sich selbst ein Bild:
Hier der link zum Vortrag von Paul Schreyer: https://www.youtube.com/watch?v=SSnJhHOU_28 (zuletzt abgerufen am 15.01.2021, 21:17 Uhr)

Hätt’ ich ja nicht gedacht,

Liegenbleiben
aber es ist tatsächlich so gekommen: Alles wird immer schlimmer.
Weil wir es nicht aushalten, dass die Menschen – wir – irgendwann in ihren, unseren 80er oder 90er Lebensjahren sterben. (Und dass es, und nicht immer, ein „Glück“ ist, wenn jemand erst dann stirbt, wenn jemand so alt wird, das will keiner mehr sehen, alle halten es für selbstverständlich, mindestens 85 zu werden, alle denken, dass sie dann noch superfit sein werden, keiner sieht all die Qual der jetzigen 85-Jährigen: Keiner sieht ihren Krebs, ihre Osteoporose, ihre Herzinsuffizienz, ihre Schmerzen, ihre Atemnot, ihre Immobilität, ihre Vereinsamung, Depression, Lebenssattheit; drum darf ja nun auch keiner in diesem Alter sterben: Wir haben es per Corona-Maßnahmen verboten!)

Jetzt gibt es kein Lockdown-Ende mehr. (Unsere von geltungssüchtigen und profitmachenden Virologen ‚beratene‘ Polit-Kaste spricht da mittlerweile von „Ostern“ oder von „Frühsommer“ oder gar von „Herbst“.)

Jetzt gibt es totale Lebensmitteleinkaufsverbote, die bereits sechs Tage nach Verkündigung gültig werden – auf dass dann Menschen verhungern; nur werden die verschwiegen, während jeder 87-jährige „Covid19“-Tote uns ins Gesicht geplärrt wird beim Einschalten der Nachrichten, ohne dass seine zig tödlichen altersbedingten Erkrankungen erwähnt werden. (Wer in Bayern am kommenden Montag keine FFP2-Maske trägt, darf keine Lebensmittelläden mehr betreten oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, so dekretiert vom Ministerpräsidenten am letzten Dienstag; alle anderen MPs werden folgen). – Frage 1 an MP Söder: Gewiss hatten auch Sie in den letzten Monaten Zeit, Lobbykontakte ganz neu aufzustellen, auszurichten und zu pflegen, welche Ihrer Lobbyisten vertreten Produzenten oder Zulieferer der FFP2-Masken-Herstellungsindustrie? Und Frage 2: Wann waren Sie, MP Söder, das letzte Mal im Supermarkt, um Ihren Einkauf zu erledigen?

Jetzt läuft dieses ganze deutsche Wahlvolk sogar bei solchem Wahnsinn mit. Bei diesen ordres de Mutti&MPs, die – von Anfang an ohne demokratische Legitimation – nunmehr mit open end verkündet werden (die mitgelieferten „Enden“ sind Makulatur, sobald sie auf dem Regierungssprecherpapier stehen).

Aber klar: Monatelang still gestellt und damit tot gemacht worden sind unter anderen
unsere Kinder und Jugendlichen und ihre Bildung &
– unsere Kultur (Bildung, also Vergangenheit, und: Theater, Oper, Museen, Konzerte, Lesungen, Kino, Ausstellungen, Festivals – in denen unsere Vergangenheit produktiv wird).
Denn: Die zählen nicht.

Weder im kurzfristigen shareholder-value abbildbar monetär (und damit auch nicht fiskalisch) noch (und daran gekoppelt) wahlstimmlich.

Dass sie – und nur sie – unser aller Zukunft sind, interessiert die Muftis nicht, denn die sind alle längst jenseits ihrer Zukunft.
Und das deutsche Wahlvolk läuft mit.
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Mein toter Lebensmensch bekommt bis heute, zehn Jahre nach seinem Tod und all den Abmeldungen seiner Existenz zum Trotz, die ich an tausend Orten und bei unzähligen Instanzen vornehmen musste (bei Zuwiderhandlung wird mit §§ und Bescheiden geschossen) –
mein toter Lebensmensch also bekommt trotz allem bis heute seine „Wahlbenachrichtigung“ vom Amt der Muftis.

Ich weiß, was er wählen würde. Ich weiß, was Perspektivlosigkeit bedeutet. Falls ich so lange leben sollte, was ich mir nicht wünsche, werde ich in diesem Jahr zweimal nicht nur meine Wahlstimme, sondern auch seine Wahlstimme erheben.
Ein Doppelschrei. Nicht nur zwei Stimmen. Nein, auch doppelt so laut. Und doppelt so lange.

Und dann Stille.
Auf die freue ich mich, auch wenn ich als Teil von ihr sie nicht erleben werde.

Ich hätte nicht gedacht, dass das, was wir alle jetzt jeden Tag leben, jemals in diesem Land, unserem und dem unserer bestenfalls mitgelaufenen Nazi-Mütter und unserer bestenfalls mitgelaufenen Nazi-Väter und unserer bestenfalls mitgelaufenen Nazi-Großeltern möglich sein würde:
– Berufsverbote,
– Bildungsverbot,
– Kulturverbot,
– Versammlungsverbot,
– Beziehungsverbot,
– Berührungsverbot,
– Gesichtzeigeverbot.

Wer zählt eigentlich die „an oder mit Covid19-“Suizide?

Übrigens redet man mich, Corinna, jetzt als „Corona“ an,

seit etwa neun Monaten immer mal wieder.

Nicht, dass es noch viele Menschen gäbe, die mich persönlich adressierten.
Aber den wenigen, die das tun, unterläuft das dann und wann, angeheirateten Familienmitgliedern, Bekannten, auch Deutschlernenden.

Ich habe das immer sehr stimmig gefunden.
Denn so eine Witwe wie ich ist ja genauso tödlich wie das Virus: Wir zersetzen – wenn man uns ließe – alle Gesellschaft mit unserem unverbrüchlichen Denken an den Tod und die Toten.
Und deshalb müssen wir a) auf Distanz gehalten, aber besser noch b) in Quarantäne gesperrt und am besten c) ausgemerzt werden. (Ich bin sicher: Demnächst gibt’s dann auch die Impfung gegen Witwenschaft. Alternativ zu der gegen den Tod [falls einer doch noch sterben mag], die es ja jetzt schon gibt, nicht wahr?)

Und es hat mir jedes Mal weh getan. Aber das ist völlig gleichgültig. Auch mir.

„Trauer“ – heute habe ich

die in meinem Leben bislang wahrste Beschreibung dieses Seins gelesen.
Quelle: Peter Stamm: Weit über das Land. Roman. Frankfurt am Main, 2016, S. 184:

„Trauer kam ihr vor wie ein Gewässer, in das sie immer wieder fiel. Sie konnte nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, nicht mehr atmen, sie löste sich auf in der Schwere des anderen Elements, und auch die Zeit hatte keine Bedeutung mehr, schien nicht mehr zu existieren. […] ihr Geist war wie in einer Kapsel im Körper eingeschlossen, der ohne ihr Zutun weiterfunktionierte. […] Wenn sie wieder auftauchte und alles vorbei war, so unerwartet, wie es begonnen hatte, blieb nur eine stumpfe Erschöpfung zurück.“

(Noch habe ich dieses Buch nicht zu Ende gelesen. Und ich beging den Fehler, es einem Freund zu schenken, als ich gerade die ersten 40 Seiten gelesen hatte – jetzt wünsche mir, dass der Freund nie auf S. 184 gelangt. Denn er wird es ab da wohl für ein larmoyantes Geschenk halten. Und wenn ich beteuerte, weder von dieser Trauerdefinition noch von diesem Tod in diesem Buch etwas gewusst zu haben, als ich es verschenkte, würde ich alles nur schlimmer machen.

Solchen wie mir glaubt man nicht mehr, traut ihnen aber offenbar stets das Böseste zu.)

Wenn ich heute auftauche, bleibt keine stumpfe Erschöpfung mehr zurück, da ist nur noch Sehnsucht. Und mein Körper funktioniert jetzt nach zehn Jahren auch nicht mehr einfach so weiter.
(Lustigerweise ist die Frau im Buch genauso alt, wie ich es damals war. Lustigerweise erwartet auch ihre Umwelt irgendwann, etwa spätestens ein Jahr nach dem Tod, dass sie sich „nach einem neuen Partner umschaute. Als sei es ihre Pflicht, […] zu vergessen und neu anzufangen. […] Niemand schien zu begreifen, dass die Beziehung zu […] für sie nicht zu Ende war, nur weil er nicht mehr da war.“ (a.a.O., S. 188.)
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Nach wie vor gilt JETZT hier bei mir und für mich: Ein letztes Mal sich wehren, und wie immer vergeblich. Gegen diese Verwaltung, die ich alljährlich mitbezahle, und die mir nun den Krieg erklärt hat.
Nach wie vor gilt hier bei mir und für mich: Wenn binnen der nächsten paar Wochen kein Solidaritätssignal kommt – und ich werde ein letztes Mal dafür kämpfen –, dann ist’s genug.

Ein Jahresabend,


wieder, zum 24. Mal.
Vor 24 Jahren haben der Lebensmensch und ich gemeinsam beschlossen, geteiltes Leben zu versuchen außerhalb vom jeweils eigenen.

Wir begannen mit einer ganz neuen Mengenlehre: eine Schnittmenge besonderer Art existierte plötzlich. Deren Grenzen waren herrlich diffus, aber immer vorhanden.

Und ja: Wir haben das tatsächlich „beschlossen“. Angesichts der Fernbeziehungssituation, die ab morgen und erst recht nach dem 2.1. wieder unsere Lebenswirklichkeit prägen würde, musste ein expliziter Beschluss formuliert werden. Und beide sagten wir dann mit Nachdruck „Ja, versuchen wir das mit uns!“

Gemeinsam haben wir diesen Jahresabend (inklusive des ersten Males) 14 Mal gefeiert, denn die Jahresendzeit war immer unsere, auch in all den Fernbeziehungsjahren. Und immer war sie – völlig außerhalb der üblichen saisonalen Festgepflogenheiten – unsere hôchzît.

Jetzt denke ich zum 11. Mal allein daran.

Was vor neun Jahren war, ist gültig:

Jahrestag (da glüht die Zeit)

Selbst die Wolken singen heute,
von den Steinen will ich schweigen,
auch von Gullydeckeln, Salamandern und Schaufensterscheiben.

Sekunden machen Notenbeute,
Minuten streichen über Leibessaiten,
derweil Harfen, Trompeten und Zimbeln die Welt vergeigen.

Heute feiert die Zeit ein Fest, an aller Welt vorbei,
wie es ihr zukommt, angemessen ist: in vollem Klang!
Und heute, wie jeden Tag, entpuppen sich ein Stern und eine Motte, mindestens.

Heute ist alles Atmen laut, geht jeder Blick auf zwei,
wir schreiben klingende Zeit: wir sind im letzten Sang!
Und heute, wie jeden Tag, schlüpft eine Galaxie und stirbt ein Auge, blindestens.

Und blind und in allem Klang zerbricht die Zeit
in wieder nur sich selbst – ganz ohne unser Zutun,
Zeit ist die Zeit ist die Zeit ist in sich ist
letztlich nur Vergangenheit.

Und taub und ohne jeden Ton verwellt der Geist
in wieder nur sich selbst – ganz ohne alles Insichruhen.
Kuss aber ist dieser Kuss ist unser Kuss: ist!

lipschitz

(30.12.2011, © Corinna Laude, aus: Nullsamkeit, eine Trauer)

Vielleicht noch ein letztes Mal sich wehren, und wie immer vergeblich

Sich wehren, womöglich letztmalig. –
Das vorletzte Mal des Sich-Wehrens hab ich aufgegeben. Vor drei Tagen.
Da ging’s um guten Unterricht.
Aber der ist ja – außer für die Lernenden und für das Gesellschaftsgefüge der BRD – völlig pillepalle.
~ ~ ~

Jetzt ginge es darum, sich zu wehren gegen ein privates Verwaltungsunternehmen, dem nicht nur jegliche Logik, sondern auch alle zivilisatorischen Bande verloren gegangen sind und das sich in wüstesten Ausfällen gegen die von ihm verwalteten Menschen ergeht – Menschen, die dieses Unternehmen übrigens bezahlen.
Wenn ich in absehbarer Zeit kein Solidaritätssignal erhalte, dann weiß ich, dass auch da erneut und wie immer alles Sich-Wehren sinnlos ist.

Und dann ist es genug.
Liegenbleiben
De facto aber ist es seit mehr als zehn Jahren genug.

Könntest Du mich mal in den Arm nehmen?


Nie habe ich den Lebensmenschen das gefragt, fragen müssen. Zu seinen Lebzeiten.
Wir haben 8 Jahre eine Fernbeziehung gelebt (6 Jahre davon auf 750 Kilometer Entfernung, etwa 5,5 Stunden Zugfahrt; alle Zeit davon oft monatelang nur Telefonate und Briefe – jaja, 1996ff. war das noch so. Und es war gut: Telefonate im Festnetz, Briefe auf Papier: Das war gut! Kein Wischen, Klicken, Emojien, Videoen und nebenbei tausendunddrei andere Wischs, Klicks, Licks und 140er. Nur der Telefonhörer und das immer verdrehtere Kabel, nur das Papier und diese unsagbare Freude, wenn der Brief vor einem im Briefkasten lag. Fast wöchentlich, oft mehrfach. Unsagbare Freude. Auch beim Lesen: Das Papier in der Hand, die Handspur des Lebensmenschen in Gestalt seiner Schrift auf dem Papier: augenrund, sandkornfein.

Könntest Du mich mal in den Arm nehmen?

Frage ich jetzt den toten Lebensmenschen.
Und rede gleich weiter: Nein, kannst Du nicht, denn Du bist ja tot.
Und denke mir: Was vielleicht nicht ‚nötig‘ gewesen wär. Was Du vielleicht einfach so für Dich wolltest. Und vielleicht schon immer. Und dann wär ich da einfach nur in etwas reingeraten, aus dem es keinen Ausweg gibt. Aber wie seit zehn Jahren (und vielleicht länger) bist Du aus dem Schneider. Ich nicht.
Und ich denke mir: Könntest Du mich mal in den Arm nehmen?
– Und jetzt sitz ich hier und mir läuft Wasser aus beiden Augen. Das ist kein „Weinen“. Aus meinem Körper läuft Wasser. Mein Körper vermisst Dich und fragt Dich: Könntest Du mich mal in den Arm nehmen?

Noch einmal: Wer stirbt?

{Kümmert mich das? – Nein. Ich kenne meinen Friedhof, weiß, dass meine Knochen in die des Lebensmenschen rutschen werden, denn seit zehn Jahren haben wir ein Übereinanderdoppelgrab.

Aber wütend, wirklich wütend macht mich, dass jetzt der Tod komplett verleugnet wird. Dass man ihn gar nicht mehr sagen darf. Geschweige denn sterben. Und wenn man’s doch tut, muss man’s ganz allein tun, gottverlassen, mutterseelenallein, verloren aus jedes Menschen Blick.}

a) Wer stirbt an/mit Corona?
„Man erkennt, dass in der Altersgruppe der 35-59 Jährigen aktuell eine Untersterblichkeit sichtbar ist, die sich insbesondere seit KW 44 zeigt, also kurz nach den einschränkenden Maßnahmen im Oktober (siehe Abbildung 2). In der Altersgruppe der 60-79 Jährigen zeigt sich auch unter Berücksichtigung der COVID-19 Todesfälle keine Übersterblichkeit (siehe Abbildung 3). Bei den Hochbetagten, den über 80-Jährigen, zeigt sich eine leicht erhöhte Sterblichkeit je 100.000 Lebende im Frühjahr 2020. Zieht man die COVID-19 Todesfälle ab und betrachtet nur die sonstigen Todesfälle (blaue Linie), so ergibt sich in dieser Altersgruppe für das Frühjahr und den Frühsommer eine leichte Untersterblichkeit. Auch für die folgenden Monate bleibt die Rate der gesamten Todesfälle in dieser Altersgruppe im Vergleich zu den Vorjahren am unteren Rand.
Insgesamt ist somit in der zweiten Welle der Pandemie bisher keine herausstechende Übersterblichkeit zu beobachten, bei der jungen Bevölkerung zeigt sich sogar eher eine Untersterblichkeit.“ (S. 4)

b) Wer stirbt allgemein?
„Analysen zur Übersterblichkeit in Deutschland beruhen zumeist auf absoluten Zahlen von Todesfällen in bestimmten Alterskategorien. Dies ist unproblematisch, solange sich über die Jahre hinweg wenig Veränderungen in der Altersverteilung zeigen, was auch für die meisten Altersgruppen gilt. Das trifft derzeit allerdings für die Altersgruppe der über 80-Jährigen nicht zu. Innerhalb der deutschen Bevölkerung steigt der Anteil der korrespondierenden Altersgruppe in den letzten Jahren deutlich […].“ (S. 2)

Quelle: „Covid-19 Data Analysis Group“ am Statistischen Institut der LMU, Bericht Nr. 4 vom 11.12.2020 [Herv. i.O.], https://www.stablab.stat.uni-muenchen.de/_assets/docs/codag-bericht-4.pdf (zuletzt abgerufen am 15.12.2020)
In diesem Bericht steht noch Anderes, zum Beispiel, dass die „Lockdown light“-Maßnahmen ab Anfang November keinerlei statistisch relevante Auswirkungen auf die Infektionszahlen hatten. Oder dass ersichtlich wird, dass die Covid-19-vulnerable Gruppe der über 80-Jährigen von den ‚Maßnahmen‘ leider überhaupt nicht profitiert.

Wer also stirbt in der BRD?

Es sterben normalerweise die über 80-Jährigen. Alle. Irgendwann.
Doch seit vier Jahren sterben sie immer später, und so gibt es jetzt immer mehr über 80-Jährige. – Dank all unserer tollen Pflegeheime, in denen wir eine immer größer werdende Zahl von ihnen letztparken und in denen sie unzähligfach vor sich hin dämmern, statt wie früher aus dem eigenen Bett zu fallen, sich den Oberschenkelhalsknochen zu brechen und in Folge der schlecht durchgeführten OP oder darauf folgender Komplikationen aufgrund der Basisschäden des Gesamtorganismus zu sterben.
Unsere Hochbetagten dürfen seit ein paar Jahren vermehrt vor sich hin dämmernd sterben, im Pflegeheim und zerfressen von Krebs, Osteoporose und oft noch obendrauf einer Demenz. Gegen die Schmerzen bekommen sie nichts oder bunte Zäpfchen, die sie allerdings nur wirksam am Schreien hindern.

Seit vier Jahren bilden sie in der statistischen Graphik einen „Höcker“ (vgl. a.a.O., S. 3, Zit. S. 2).

Den trägt Covid-19 nun vielleicht ab.
Wenn wir nicht weiterhin alles Leben verbieten, um den Tod nicht sehen zu müssen.

(Bei den Krebskranken – nachzulesen auch in meinen gestrigen Zeilen hier – gucken wir ja nach wie vor erfolgreich weg; ebenso übrigens auch bei den Millionen Hungertoten, die unsere „Corona-Maßnahmen“ in diesem Jahr zusätzlich schon verursacht haben und noch verursachen werden.)