Letztes dichter

Wenn die Toten etwas gölten,
dann wären das Sterben nicht in Isolationshaft
und das Leben nicht in Vergessenheit
geraten.

Wenn die Toten etwas gölten,
dann würden die Kinder von Angesicht zu Angesicht
und die Ärzte im Schweiße ihres Angesichts
lernen.

Wenn die Toten etwas gölten,
dann könnten die Menschen tanzen, lachen, traurig sein
und singend oder schweigend auch ich mein Leben
zu seinem Ende bringen.
(© Corinnna Laude, 03.10.2021)


stündest Du jetzt in unserm Flur
(manchmal ereilt mich dieser Gedanke immer noch, verzeih)
und würdest
nachdem Du meiner Losigkeit zu einer Fassung
und ich Deinem Tod zu einer Auslassung verholfen hätte
und wir beide brizzelnd, klappernd und wacker voreinander knieten
darum bitten zu erfahren, was denn bloß sei, da jetzt
stünde ich stumm in unserem Flur und würde
– nach langen Minuten in Deinen Augen –
auf die nicht von uns zerschrammten Dielen sehen
dann Dich an und mit Dir gehen.
(© Corinna Laude, 13.03.21)