Präambel

Präambelbild 2019 (Nö klein)

Am zwölften elften zehn ist der Lebensmensch gestorben.
Ein Freitag, und es war tatsächlich um die Stunde, in der in der Bibel der Vorhang reißt.

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Wir waren 3 Jahre, 1 Monat und 2 Tage verheiratet (das zu sein, hat uns etwas bedeutet: Wir heirateten allein).
Wir waren 13 Jahre, 10 Monate und 13 Tage ein seiner Liebe und der meisten aus ihr erwachsenden Aufgaben bewusstes Paar (wenn wir auch diesen Aufgaben in den letzten 15 Monaten manchmal und zunehmend nicht mehr nachzukommen wussten).

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Irgendwann später habe ich mich im Witwesk begonnen.
Während der ersten Jahre hier hat sich fast alles verloren von dem, was ich zuvor konnte, und von denen, die ich zuvor kannte.

Es haben sich angefunden:
– ein Boot,
– ein Mast,
– ein Segel.

Und ein Meer.

Wenn Schwarzer Sturm ist, legt er sich als grauer Teppich über mich, dicht und schwer.

Aber immer wieder findet sich ein blauer Horizont ein:
Dieser Ort hier ist ein jenseitiger zu allem, was in Todesfällen denen vom Tode Unbetroffenen wichtig ist:
Dieser Ort hier ist ein Ort gegen „Trauerarbeit“™, gegen Grabstellenbesuche und gegen Zusammenrisse.

Dieser Ort hier ist und bleibt – nach all den Jahren ohne den Lebensmenschen und nach den 15 Monaten davor, während derer wir krepierten (an Krebs, Ärzten, Angst und Schmerzen) – ein Ort für das Einmalige, für mein Missen und für das, was sonst noch offen ist
und leer bleiben wird.