Todestrieb

„Zeugnis-Ablegen bis zum letzten.“ (Victor Klemperer)

„Todestrieb, wir werden hier Zeugen eines Triebgeschehens“, so sagte kürzlich jemand zu mir, und fuhr fort: „wie es periodisch immer wieder sich vollzieht in allen Gesellschaften, die an ihrem Ende angekommen sind. Anders kann ich mir das nicht mehr erklären“.
Mit „das“ meinte diese Person das Weltgeschehen der letzten Jahre – nicht nur der letzten drei.

Mich würgte es.

Nicht zuletzt wegen dieser unerhörten Lächerlichkeit:
Da bin ich witwesker Eisbär seit langen Jahren unterwegs zu meinem Tod, den ich begrüße, den ich auch schon mehrfach mehr als eingeladen habe. Und nun stehe ich seit bald drei Jahren mitten im Leben und kämpfe um der Menschheit willen für das Leben als Mensch.
– Weil die Menschheit, jedenfalls große Teile dieser Gattung und die Mehrheit hierzulande sich nun in den Wonnen des Todestriebs wiegt (denn diese Deutung leuchtet mir sehr ein).

Ja, wie albern ist das denn?!
Ich sollte ein absurdes Stück drüber schreiben. Stattdessen würge ich immer noch, weil es mich würgt.

Auch zu erkennen, wie sehr ich Spiegel bin dieses Todestriebgeschehens.
Ich fahre offen in den Gulli ein. Die Gesellschaft fährt Waffenforderungen auf. Doch wer soll die eigentlich bedienen – die Nicht-Kinder von Alof Scholz, die erwachsenen Söhne von J.R. Habeck oder als Kindersoldaten die Kinder vom Baerbock (w/m/d)?
Ich fahre offen in den Gulli ein. Die Gesellschaft fährt Totalitarismus auf. Doch wer kommt vor dem davon – die Berufsverbot-Erlass2.0-Innenministerin Faeser, die für die Antifa schrieb, die Talkshowmoderatorin Illner, die diesen neuen „Radikalenerlass“ unkommentiert stehenlässt, oder sonstigen Presse-Reste, die sich zum 3000-Mann-hohen Polizeieinsatz gegen eine terroristische Rentner-Combo inkl. Schnittchen, Sektchen und Ticketts im 1. Rang einladen lässt?

Ich fahre offen in den Gulli ein. Liege da. Muss würgen, weil mir dieses Manöver meines Gnoms namens „Es“ so offenkundig wird. Liege immer noch da, kämpfend um Hingabe. Höre nicht auf zu würgen, weil mir zunehmend deutlich wird, dass mein Todestriebgeschehen JETZT nur noch eine Reaktion auf das Todestrieb-Treiben der Gesellschaft ist.
Stehe auf, mühsam, denn das flitzerote Fahrrad hat sich nicht nur im Gulli verhakt, sondern auch in mich verwickelt.
Klopfe mir den Straßenschmutz von Hose, Jacke und das Staunen über den Unfall in die Erinnerung, checke das Fahrrad, steige auf und radle nach Hause in dem pointillistischen Eindruck, etwas begriffen zu haben.

Das Begriffene formiert sich langsam.
Eine der Kassandras sagt: Die Anerkenntnis des Unbewussten gehört in die Mitte der Gesellschaft. (https://www.youtube.com/watch?v=1JWg-dCh1FY, etwa ab Min. 5:02)
Ich stimme dem mit allem, was ich bin und habe, zu.

Und stemme mich mit allem, was ich bin und habe, gegen Euren unbewussten Todeswunsch, der als Todestrieb nun erstmals wirklich droht, die Gattung zu vernichten.

(Das ist übrigens für mich eine bittere Erkenntnis, weil sie meinem Selbstbild zuwider läuft. Aber mir sind bittere Erkenntnisse weitaus wertvoller als alle [Selbst-]Illusionen.)

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